TEIL 2 – Die Chorionzottenbiopsie in Stuttgart

Fortsetzung – Die Chorionzottenbiopsie in Stuttgart

Am Mittwochmorgen fuhren wir also nach Stuttgart. Ich erinnere mich noch genau an die Stille im Auto – wir redeten kaum, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Kaum angekommen, mussten wir zunächst einige Dokumente ausfüllen. Alles fühlte sich merkwürdig routiniert an, fast wie ein Verwaltungsakt, obwohl für uns gerade die Welt stillstand. Eine richtige Aufklärung fand irgendwie nicht statt. Es ging alles schnell, sachlich, funktional – keine Zeit für Fragen oder Gefühle.

Dann wurden wir zu einer Ärztin in den Behandlungsraum gebeten. Sie bereitete alles für die Chorionzottenbiopsie vor – einen Eingriff, bei dem mit einer langen Nadel Gewebe aus dem Mutterkuchen (Plazenta) entnommen wird. Dieses Gewebe enthält dieselbe genetische Information wie das Baby. So kann im Labor mit sehr hoher Sicherheit festgestellt werden, ob eine Chromosomenstörung wie eine Trisomie vorliegt.

Doch das, was in der Theorie so nüchtern klang, war in der Realität kaum zu ertragen.
Ich sah auf dem Ultraschallbild, wie die Ärztin die lange Nadel langsam in meinen Bauch führte – direkt neben das kleine Köpfchen unseres Babys. Das Baby wusste natürlich von nichts, es bewegte sich, strampelte, drehte sich. Ich hatte solche Angst, kaum wagte ich zu atmen oder mich zu bewegen. Mein Herz raste, und in meinem Kopf kreisten nur Gedanken wie: Bitte, bitte, tu meinem Baby nichts.

Mein Mann war die ganze Zeit bei mir. Er hielt meine Hand ganz fest, als wollte er mich mit seiner Kraft schützen. Auch in seinen Augen standen Tränen – es war ein Moment, den wir beide nie vergessen werden.
Als der Eingriff vorbei war, war ich völlig erschöpft – körperlich und emotional. Wir wurden anschließend nach Hause geschickt, mit dem Hinweis, uns zu schonen und auf mögliche Schmerzen oder Komplikationen zu achten.

Am nächsten Tag, dem Donnerstag, war Feiertag. Das bedeutete, dass wir bis Freitag auf das Ergebnis warten mussten – und auch darauf, eine Entscheidung zu treffen, ob wir überhaupt am Samstag in den Urlaub fliegen wollten.
Die Ärztin hatte uns davon abgeraten. Sie meinte, der Eingriff sei frisch und das Risiko eines Blasensprungs oder anderer Komplikationen sei zu hoch. Es war, als hinge alles in der Schwebe – unsere Zukunft, unsere Reise, unser Glück. Wir mussten einfach warten.

Fortsetzung folgt…

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