TEIL 1 – Vom Kinderwunsch zur Ungewissheit

Meine Erfahrungen in der Schwangerschaft – Vom Kinderwunsch zur Ungewissheit

Nach unserer langen Kinderwunschreise war die Freude über die Schwangerschaft kaum in Worte zu fassen. Endlich war der Moment gekommen, auf den wir so lange gewartet hatten. Wir waren voller Hoffnung, voller Liebe und ein kleines bisschen ungläubig, dass es nun wirklich passiert war.

Wie viele werdende Eltern entschieden wir uns, ein Ersttrimesterscreening (auch Erstsemester-Screening) machen zu lassen. Dieses Screening wird etwa zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Es dient dazu, das Risiko für genetische Besonderheiten, wie etwa Trisomien, einzuschätzen – also Chromosomenveränderungen, bei denen ein Chromosom ganz oder teilweise dreifach statt zweifach vorliegt.
Die bekannteste Form ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt. Es gibt aber auch Trisomie 13 (Pätau-Syndrom) und Trisomie 18 (Edwards-Syndrom), die meist mit schweren Fehlbildungen einhergehen und in vielen Fällen nicht mit dem Leben vereinbar sind.

Wir gingen damals recht locker an das Screening heran. Wir dachten: Es wird schon alles gut sein. Doch dann kam alles anders.

Bei der Untersuchung wurde die Nackenfalte unseres Babys gemessen – eine Flüssigkeitsansammlung im Nackenbereich, die bei allen Babys in dieser Entwicklungsphase vorhanden ist. Ist sie jedoch verdickt, kann das ein Hinweis auf genetische oder organische Auffälligkeiten sein.
Bei unserem Baby war die Nackenfalte fast doppelt so groß wie sie in dieser Woche sein sollte. Es gab zudem noch einige kleinere Marker, die unserem Arzt auffielen – aber ausschlaggebend war die Nackenfaltenmessung.

Er erklärte uns ruhig, dass das Ergebnis eine Wahrscheinlichkeit von 1:4 ergab, dass unser Baby eine Trisomie oder eine andere Form von Beeinträchtigung haben könnte.
Eins zu vier – eine Zahl, die uns den Boden unter den Füßen wegzog.
In diesem Moment wussten wir nicht mehr, wo oben und unten war.

Uns wurde zu einer Chorionzottenbiopsie geraten. Dabei handelt es sich um eine Gewebeentnahme aus dem Mutterkuchen (Plazenta). In diesem Gewebe befinden sich dieselben genetischen Informationen wie im Baby. So kann durch eine Laboranalyse mit sehr hoher Sicherheit festgestellt werden, ob tatsächlich eine Chromosomenstörung vorliegt. Der Eingriff erfolgt über die Bauchdecke der Mutter – eine lange Nadel wird unter Ultraschallkontrolle in die Plazenta geführt, um eine winzige Probe zu entnehmen.

Die Diagnose bekamen wir am Montag, den 31. Mai. Da kurz darauf ein Feiertag bevorstand, mussten wir einige Tage warten. Eigentlich wollten wir an diesem Wochenende in den Urlaub nach Malta fliegen – die Koffer standen schon halb gepackt im Flur. Doch plötzlich schien alles stillzustehen.
Am Dienstag rief uns unser Arzt an. Er sagte, er habe selbst kaum schlafen können, und bot uns an, am nächsten Morgen zu einer Vertretungsärztin in Stuttgart zu gehen, um die Biopsie vornehmen zu lassen.
Das machte uns stutzig – denn er war ein Facharzt für pränatale Diagnostik, jemand, der tagtäglich mit genau solchen Fällen zu tun hat. Wenn selbst er nachts wach lag und sich Sorgen machte, dann musste die Situation wirklich ernst sein.

In dieser Zeit habe ich viel meditiert, um bei mir zu bleiben, um irgendwie Ruhe in all die Sorgen, Ängste und Gedanken zu bringen, die mich Tag und Nacht begleiteten.

Fortsetzung folgt…

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